COP23
UNFCCC Pressemitteilung

UN-Klimakonferenz 2017 drängt auf mehr Einigkeit, Geschwindigkeit und Ehrgeiz beim Klimaschutz

  • COP23 – Delegationen kommen zusammen, um Ziele des Abkommens von Paris zügig umzusetzen

Bonn, 5. November – Die UN-Klimakonferenz 2017 beginnt am Montag mit dem Ziel, dass Regierungen mehr Ehrgeiz in Sachen Klimachutz zeigen und die nächsten wichtigen Schritte unernehmen, damit die Sicherhiet, Wohlstand und Entwicklung aller Länder besser gewährleistet werden können.

Die Konferenz findet genau zwei Jahre nach einem wichtigen Meilenstein - der Verabschiedung des Weltklimaabkommens von Paris - statt. Sie soll auf der Dynamik aufbauen, die unter Städten und Gemeinden, Regionen und Bundesstaaten sowie bei Unternehmen und in der Zivilgesellschaft entstanden ist, um die Klimaschutzpläne auf Ebene nationaler Regierungen zu unterstützen. Dazu gehören die international akzeptierten Klimaziele sowie die Ziele der Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung.

Extremwetterereignisse verdeutlichen Dringlichkeit

Die Konferenz findet vor dem Hintergrund statt, dass Extremwetterereignisse die Lebensgrundlage von Millionen von Menschen auf den asiatischen und amerikanischen Kontinenten sowie in der Karibik zerstört haben. Zudem wird mit Frank Bainimarama, dem Premierminister von Fidschi, erstmals ein Repräsentant eines kleinen Inselstaats einer solchen Konferenz vorsitzen.

“Das menschliche Leid und Elend, dass von den immer intensiver werdenden Wirbelstürmen, Bränden, Dürren, Fluten ebenso verursacht wird, ebenso wie eine immer stärker gefährdete Ernährungssicherheit machen sehr deutlich, dass wir keine Zeit zu verlieren haben", sagte Bainimarama, der die Präsidentschaft von Marokko übernimmt.

“Wir müssen den globalen Konsens für entschlossenes Handeln, der im Paris-Abkommen niedergelegt ist, erhalten," sagte Bainimarama, "und wir müssen den ehrgeizigeren Teil des Klimazieles anstreben, nämlich den Anstieg der globalen Erwärmung auf 1,5 Grad Celsius gegenüber dem vorindustriellen Temperaturniveau zu beschränken."

“Egal, wo wir leben, wir sind alle verletzlich und müssen handeln. Fidschi wird sich dafür einsetzen, eine Große Koalition für entschlossenes und abgestimmtes Handeln zusammenzubringen, eine Koalition aus Entscheidungsträgern aller Ebenen der Politik, Zivilgesellschaft, Wirtschaft und Erdbürger im Allgemeinen. Deshalb haben wir auch ein hochseetaugliches fidschianisches Kanu, eine "drua", hier in den Eingangsbereich gebracht, um alle Beteiligten an die Notwendigkeit zu erinnern, die Segel dieses Kanus mit kollektiver Entschlossenheit zu füllen – Entschlossenheit, die COP23 erfolgreich zu machen und die größten Herausforderungen, welchen sich die Menschheit je gegenübergesehen hat, entschieden anzugehen", sagte Herr Bainimarama.

Für die Bonner Klimakonferenz COP23 sind folgende Initiativen in entscheidenden und miteinander verwobenen Aktionsfeldern geplant:

  • verstärkter Klimaschutz auf nationaler Ebene, wie im Pariser Klimaabkommen sowie der UN-Klimarahmenkonvention festgelegt
  • die Präsentation, die Entwicklung und das Zünden neuer und weitergehender Initiativen zum globalen Klimaschutz von Akteuren aller Ebenen, mit dem Ziel, vorhandene Klimainitaitven so zu koordinieren, dass sie auf effiziente, effektive und transformative Weise Synergien erzeugen

Patricia Espinosa, Exekutivsekretärin des UN-Klimasekretariats, sagte: "COP23 in Bonn wird der Welt zwei Facetten des Klimawandels zeigen – zum einen eine positive, entschiedene und inspirierende Dynamik von Seiten sehr vieler Regierungen und einer wachsenden Anzahl von Städten, Bundesstaaten, aber auch von Unternehmen, von Leitfiguren der Zivilgesellschaft und von UN-Behörden, die sich alle den Zielen des Pariser Abkommens verschreiben."

“Zum anderen aber auch die Realität. Das Risiko steigt, der Puls des Planeten ist beschleunigt, Menschen leiden unter den Auswirkungen des Klimawandels und die Möglichkeiten, all dem etwas entgegenzusetzen, werden immer geringer. Deshalb müssen wir gemeinsam, schneller und ehrzeiziger vorankommen, um den Klimaschutz auf die nächste Ebene zu bringen", fügte sie hinzu.

Highlights der COP23

Die Konferenz selbst ist ein Spiegel internationaler Kooperation und Koordination. Während Fidschi den Vorsitz innehaben wird, wird die Klimakonferenz von dem in Bonn ansässigen UN-Klimasekretariat organisiert und von der Regierung der Bundesrepublik Deutschland, dem Bundesland Nordrhein-Westfalen sowie der Bundesstadt Bonn logistisch unterstützt.

Die Teilnemer der Konferenz sind repräsentativ für die Bandbreite des weltweiten Klimaschutzes. Zu diesem Zeitpunkt bereits bestätigt ist die Präsidentin der Marshallinseln, Hilda Heine, ebenso wie  Arnold Schwarzenegger, UN-Generalsekretär António Guterres, die Pariser Bürgermeisterin Anne Hildalgo, der Gouverneur des US-Bundesstaats Kalifornien, Jerrry Brown, der UN-Sondergesandte Michael Bloomberg, der Astronaut Thomas Pesquet, zudem Paul Polman, Vorstandsvorsitzender eines der größten Verbrauchsgüterhersteller, Unilever, die Erste Ministerin Schottlands, Nicola Sturgeon, und der Wissenschaftler und Abenteurer Bertrandmar, der als erster Mensch die Erde in einem Solarflugzeug, der Solar Impulse, umkreist hat.

An die 20 Staats- und Regierungschefs werden erwartet, darunter die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel und der französische Präsident Emmanuel Macron.

Zahlreiche Inititativen werden erwartet, darunter eine UN-Initiative zum Gesundheitschutz in kleinen Instelstaaten; eine Plattform zur Unterstützung der Zusammenarbeit mit lokalen Bevölkerungen und indigenen Völkern, ein weitreichender Aktionsplan zur Geschlechtergerechtigkeit, sowie ein weltweites Risikotransfer-Projekt, dass zum Ziel hat, bezahlbare Krankenversicherungsleistungen für 400 Millionen arme und verwundbare Menschen zu ermöglichen, die einen solchen Schutz noch nicht haben.

Dringliches Handeln Erforderlich, um Kipp-Punkte im Klimasystem zu vermeiden

Das Weltklimaabkommen von Paris wird unterfüttert von nationalen Klimaschutzplänen, auf Englisch "Nationally Determined Contributions" oder NDCs,  deren Ziel es ist, so mit der Zeit gestärkt zu werden, dass die im Pariser Abkommen festgelegten Ziele zur Begrenzung der Erderwärmung erreicht werden können.

Diese Ziele sind, die Erderwärmung bis zum Ende des Jahrhunderts auf deutlich unter 2 Grad Celsius gegenüber dem vorindustriellen Temperaturniveau, oder noch besser auf nicht mehr als 1,5 Grad Celsius zu beschränken.

Schnelleres und zügigerer Klimaschutz ist deshalb notwendig, weil sich die Welt trotz aller Zusagen und Anstrengungen noch auf dem Weg hin zu einem Temperaturanstieg von 3 Grad Celsius oder mehr befindet.

Das könnte das völlige Abschmelzen des grönländischen Eisschildes zur Folge haben, einen noch stärkeren Anstieg des Meeresspiegels, bedeutende Schäden für so bedeutende natürliche Systeme wie den Amazonas und die Destabilisierung von Meereszirkulationssystemen.

Bereits jetzt liegt das globale Temperaturniveau im Schnitt bei rund einem Grad Celsius über dem des vorindustriellen Zeitalters.

Verhandlungen auf Regierungsebene

Die Struktur der COP23 orientiert sich an dem Prinzip "eine Konferenz, zwei Zonen." Die zwischenstaatlichen Verhandlungen werden in der sogenannten Bula Zone stattfinden – Bula bringt in der Sprache Fidschis ein herzliches Willkommen zum Ausdruck.

Die in den Verhandlungen repräsentierten Länder haben vor, den "Talanoa Dialog" ins Leben zu rufen. Dieser ist nach einer Atmosphäre des offenen Austauschs und konstruktiver Diskussionen der pazifischen Inselstaaten benannt und soll im Laufe des Jahres 2018 stattfinden.

Dieser Dialog wird unterlegt von drei grundlegenden Fragen: "Wo sind wir?", "Wo wollen wir hin?", und "Wie kommen wir dorthin?."

Der Dialog wird bei der UN-Klimakonferenz COP24 im nächsten Jahr in Polen seinen Abschuss finden und hat zum Ziel, der Weiterentwicklung nationaler Klimaschutzpläne, die mit den wissenschaftlichen Erkenntnissen für das Zeitfenster 2019-2020 besser im Einklang stehen, die Bühne zu bereiten.

Die Regierungsvertreter werden auch an dem arbeiten, was auch „Betriebssystem“ des Paris-Abkommens genannt wird, nämlich detaillierte Wege und Maßnahmen, um – unterstützt von allen Interessensvertretern der Zivilgesellschaft –Regierungen dabei unterstützen können, die Ziele des Klimaabkommens von Paris jetzt und in Zukunft besser zu erreichen. Auch für die Formulierung dieses "Betriebssystems" gibt es eine Frist. Der Prozess soll bis zum Ende der nächsten UN-Klimakonferenz 2018 in Polen abgeschlossen sein,

Die dem Betriebssystem zugrundeliegenden Richtlinien werden sicherstellen müssen, dass das Abkommen die Transparenz bezüglich des Klimaschutzes fördert und unterstützt, und dass die Widerstandsfähigkeit von Gesellschaften gegenüber dem Klimawandel und ihre Anpassung daran gesteigert werden.

Die Richtlinien sollen auch darlegen, wie die Regierungen eine Bilanz der globalen Situation zu ziehen gedenken, und wie die Mechanismen zur Erleichterung von Implementierung und Förderung des Einhaltens der Regeln genau funktionieren sollen.

Die Unterhändler bei der COP23 werden auch danach streben, bei anderen unerledigten Aufgaben gemäß der Klimarahmenkonvention voranzukommen.

Das bedeutet auch zu überprüfen, welcher Fortschritt dabei gemacht wurde, bis 2020 die Entwicklungsländer mit den zugesagten 100 Milliarden US-Dollar zu unterstützen. Auch das Inkrafttreten des in Doha 2012 beschlossenen Vertragszusatzes zum ersten internationalen Vertrag zur Begrenzung der Treibhausgasemissionen, dem Kyoto-Protokoll , soll angegangen werden.

Die Partnerschaft von Marrakesch und Global Climate Action

Gleichzeitig wird ein Stück rheinaufwärts die sogenannte "Bonn Zone" organisiert, in der nationale Regierungen ebenso wie Chefs von Städten, Bundesstaaten, Wirtschaftsunternehmen und der Zivilgesellschaft präsentieren, was sie seit Paris erreicht haben, und welche neuen Klima-Initiativen sie planen.

 “Ich sehe großartigen neuen Vorhaben entgegen. Sowohl Regierungen als auch Unternehmen, Investoren und Verbrauchern leuchten mittlerweile die Vorteile einer sauberen, grünen Welt ein, egal ob es wirtschaftliche Vorteile sind oder Vorteile für Gesundheit und Wohlbefinden. Ich freue mich aber auch auf neue Durchbrüche wenn es darum geht, globales Know-how und weltweite Ressourcen besser zu koordinieren, um schneller konkrete Ergebnisse zu erzielen", sagte Barbara Hendricks, Bundesministerin für Umwelt, Bau, Naturschutz und Reaktorsicherheit.

Unter dem Namen Marrakesch-Partnerschaft für globalen Klimaschutz ("Marrakech Partnership for Global Climate Action", GCA) findet ein fünftägiges Programm mit über 100 Veranstaltungen statt, die zeigen, wie Städte und Gemeinden, Regionen, Unternehmen und Investoren gemeinsam mit nationalen Regierungen sowie dem UN-System das Paris-Abkommen umsetzen.

Die ersten drei GCA-Tage  vom 10. bis 12. November werden Klimaschutz in acht zentralen Themenbereichen vorstellen: Dieses sind Energie, Wasser, Landwirtschaft, Meere und Küstengebiete, Siedlungen, Transport, Industrie, und Wälder. Eine morgendliche Pressekonferenz wird diese Veranstaltungen einleiten.

Die letzten beiden Tage, am 13. und 14. November, werden zum sogenannten "high-level" Teil der Veranstaltung überleiten, bei der die prominentesten Gastredner ein Schlaglicht auf übergreifende Themen wie Finanzwelt und Investitionen, Innovation, Widerstandsfähigkeit sowie die Ziele für nachhaltige Entwicklung Nummer 11 (Nachhaltige Städte und Gemeinden) und Nummer 2 (Kein Hunger) werfen werden.

Begleitend zu dieser Agenda für Globalen Klimaschutz ist die "Momentum-for-Change"-Initiative des UN-Klimasekretariats, welche die Preisträger ihrer jährlich verliehenen Auszeichnung ehren wird.   

Auch die in diesem Rahmen ausgezeichneten Projekte zeigen die Tiefe, Breite und Kreativität auf, in der auf der ganzen Welt bereits Klimaschutz stattfindet – bei den größten Wirtschaftsunternehmen ebenso wie bei kleinen, lokalen Initiativen mit Wachstumspotential.

Momentum for Change hat fünf Kategorien: die Rolle von Frauen im Klimaschutz, Finanzierung für klimafreundliche Investitionen, Lösungen der Informations- und Kommunikationstechnologie, und, neu in diesem Jahr, Gesundheit für den Planeten sowie „Climate Neutral Now“ – eine Initiative für Klima-Neutralität.

 

Für weitere Informationen:

Nick Nuttall, UNFCCC Kommunikationsdirektor und COP23 Sprecher:  +49 228 815 1400 (phone), +49 152 0168 4831 (mobile) nnuttall(at)unfccc.int

UN Climate Change Pressebüro: press(at)unfccc.int

COP23 webseite

Weitere wichtige Webseiten and social media accounts für COP23 können hier gesehen werden.

 

Über das UN-Klimasekretariat (UNFCCC)

Mit 197 Vertragsparteien verfügt die Klimarahmenkonvention der Vereinten Nationen (UNFCCC) über eine fast universelle Mitgliedschaft und bildet die Grundlage für das Pariser Klimaabkommen von 2015. Hauptziel des Pariser Abkommens ist es, die globale Erderwärmung deutlich unter 2 Grad Celsius zu begrenzen, und Bemühungen voranzutreiben, den Temperaturanstieg gegenüber dem vor-industriellen Niveau auf 1,5 Grad Celsius zu begrenzen. Die UN-Klimarahmenkonvention wird darüber hinaus durch das 1997 verabschiedete Kyoto-Protokoll mit heute 192 Vertragsstaaten ergänzt. Allen Vereinbarungenwerden von dem Ziel geleitet, die Konzentration von Treibhausgasen in der Atmosphäre auf einem Niveau zu stabilisieren, auf dem gefährliche Auswirkungen des menschlichen Handelns auf das Klimasystem verhindert werden können. Weiterhin soll dies zeitlich so geschehen, dass Ökosysteme in der Lage sind, sich auf auf natürliche Art und Weise anzupassen, und so, dass eine nachhaltige Entwicklung ermöglicht wird.